Nominierung 2020

St. Martha Nürnberg

candela GmbH
Lighting Design
Kriegsbergstrasse 34
70174 Stuttgart
stuttgart@candela.de
www.candela.de

Lichtplanung:
Michele A. Rami
Janka Morela

Weitere Projektbeteiligte:
Bauherr: Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde St. Martha Nürnberg

Architekt/Innenarchitekt:
Florian Nagler Architekten

Elektroplanung:
W+P Elektrotechnik, Nürnberg

Fotorechte:
© Sebastian Schels

PROJEKTBESCHREIBUNG

Im Jahr 2014 ist die im Jahr 1385 eingeweihte St. Marthakirche in Nürnberg aus ungeklärten Gründen abgebrannt. Dabei ging auch der bauzeitliche historische Dachstuhl über dem Hauptkirchenraum verloren. Im Rahmen des gewonnenen Wettbewerbs schlugen Nagler Architekten vor, die Kirche in der alten Außenkontur wiederaufzubauen. Im Inneren sollte dagegen im Zusammenspiel mit der historischen Natursteinkonstruktion ein neuer Raum entstehen, der durch eine zeitgenössische Holzkonstruktion geformt und geprägt wird.
Die Grundidee des Lichtkonzeptes von candela lighting design basiert auf einer gleichmäßig verteilten Beleuchtung im Kirchenraum, ohne Akzentuierung besonderer Flächen. Mit dem Leitmotiv, den Innenraum als gesamtleuchtende Kubatur – einem Gefäß gleich – in Szene zu setzen.

Das Konzept ist demnach so umgesetzt, dass sich die Beleuchtungsanlage optisch zurücknimmt, ja versteckt eingebracht ist. Das Licht tritt nicht in Form eines Leuchtobjektes in den Vordergrund, sondern einzig das atmosphärische Raumlicht entfaltet seine Wirkung. Die Helligkeit in dem fünfschiffigen Kirchenraum wird maßgeblich über die homogene Ausleuchtung der raumbegrenzenden Flächen, dem Bodenbelag aus Rosenspitz Kalkplatten und der Decke- und Wand formenden Holzkonstruktion indirekt sowie direkt erzeugt.

Die im Diagonalverband ausgeführte Deckenkonstruktion aus unverleimten Vollhölzern formt den Innenraum mit der Anmutung eines Flechtwerkes. Über die reine Tragfunktion hinaus übernimmt die Konstruktion akustische Funktionen und dient auch der Behausung der Lichtinstallation. In der horizontal verlaufenden Deckenfläche sieht das Lichtkonzept Tiefstrahler zur Grundaufhellung der Boden- und Leseflächen vor. Vertikal eingebrachte Strahlereinheiten fungieren als Wandfluter aufwärts. Diese sind dreh- und schwenkbar mit unterschiedlichen Ausstrahlungscharakteristiken sowie einzeln schalt- und dimmbar.

Die baukonstruktive Aufbauhöhe der Holzdeckenkonstruktion von 47 cm ermöglichte Aussparungen, die genug Raum für die Aufnahme der speziell für das Projekt entwickelten Sonderleuchten lassen. Der Einbau und die Ausrichtung der Zweier- bis Vierer-Leuchtgruppen erfolgte vom Dachstuhl aus. Aus dem Raster des Diagonalverbandes der Vollhölzer heraus ergeben sich für die Wandfluter und Downlights quadratische Lichtauslässe von 140 mm. Optisch fügen sich diese nahtlos in den Verband ein und verschwinden geradezu.

Zur Ausleuchtung der Decke im äußeren Kirchenschiff sind in den holzverkleideten Fensterbänken der gotischen Maßwerkfenster jeweils sechs Lichtpunkte für Richtstrahler geometrisch angeordnet. Auch hier mit dem Hauptaugenmerk, die Leuchten unsichtbar zu machen. Die Aufhellung der Deckenfläche im mittleren Seitenschiff erfolgt über auf Stahlwinkeln angebrachte Strahler vor den Kämpfern der Rundbogenfenster. Der Chorraum wird mit seitlich in Wandnischen eingebrachte Stromschienenstrahler flexibel ausgeleuchtet. Diese sind vom Langhaus her jedoch nicht sichtbar.

Im gesamten Kirchenraum kommen nur sechs Leuchtentypen in verschiedenen Zusammensetzungen zum Einsatz. Alle sind in Sonderbauweise für das Projekt maßgefertigt. Jede Leuchte ist dreh- und schwenkbar und getrennt über DALI dimmbar. Variable Ausstrahlungswinkel ermöglichen die präzise Umsetzung der Idee in der finalen Ausleuchtung. 2.700 bis 3.000 Kelvin standen bei der Lichtfarbe zur Diskussion. Schlussendlich fiel die Wahl auf 3.000 Kelvin, um die weißgetönte Anmutung des gesamten Innenraumes gerecht zu werden.

PREISVERLEIHUNG 2020

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