Nominierung 2021

Andreas Quartier

agLicht GbR
Weinsbergstrasse 118a
50823 Köln
office@aglicht.de
www.agLicht.de

Lichtplanung:
Wilfried Kramb
Daniel Walden
Yvonne Goldschmidtböing

Weitere Projektbeteiligte:
Bauherr: Frankonia Eurobau

Architekt/Innenarchitekt:
Architekt: SOP Architekten

Elektroplanung:

Fotorechte:
Bildrechte: Frankonia Eurobau

PROJEKTBESCHREIBUNG

Das Andreas Quartier, Düsseldorf
Im Herzen der Düsseldorfer Altstadt entstand über die vergangenen neun Jahre zwischen Mühlenstraße, Liefergasse, Ratinger Straße und Neubrückstraße ein 18.000 qm großes Stadtquartier, dass die Gegenwart und die Geschichte des Ortes wieder neu verbindet. Das zunächst kontrovers diskutierte Quartier integriert mehrere geschützte Baudenkmäler und öffnete das ehemalige Land- und Amtsgericht nach seiner Sanierung wieder der Öffentlichkeit.

Mit dem Andreas Quartier wurde ein Areal revitalisiert, in dem seit dem Mittelalter Menschen gelebt und gearbeitet haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Viertel in Rheinnähe zu einer urbanen Ödnis. Von den fünfziger Jahren bis 2012 war das innerstädtische Areal allein von Bürogebäuden geprägt, darunter ein zehnstöckiges Hochhaus aus den Sechzigern. Diese wenig ansehnlichen Verwaltungsbauten des Land- und Amtsgerichts erwiesen sich zuletzt als nicht mehr zweckmäßig. Das Land NRW verkaufte das Grundstück und verlegte das Amtsgericht in einen Neubau an der Werdener Straße. Den Masterplan für das Quartier entwickelte das Büro von Jurek Slapa (SOP Architekten). Eine Architektur für unterschiedliche Nutzungsstrukturen die heute 370 Wohnungen, davon 102 Service-Apartments (Hyatt House), 635 Tiefgaragenstellplätze, Büroeinheiten für 650 Arbeitsplätze mit Co-working Flächen, fünf Restaurants und ein Cafè mit einem Ausstellungsraum für junge Künstler beheimatet. Für den Lichtmasterplan wurde das Büro ag Licht beauftragt. Zunächst noch begrenzt auf die öffentlichen Bereiche, übernahm das Büro mit jedem weiteren Mieter/Nutzer auch die Planung für die Mietflächen. Mit der Fertigstellung der Gastronomiefläche im AQ7 auf der Ratinger Straße, findet die Lichtplanung ihren Abschluss in dem Projekt „Andreas Quartier“. Offiziell wurde das Projekt bereits im Oktober 2017 mit der Fertigstellung des Hyatt Houses in den historischen Gebäudeteilen des ehemaligen Gerichtes gefeiert.

Das Andreas Quartier im Einzelnen
Hinter dem historischen Gerichtsgebäude in der Mühlenstraße, gruppiert sich das neue Wohnquartier um zwei Innenhöfe. Einen öffentlichen Bereich parallel zur Mühlenstrasse, der als Erweiterung des städtischen Raumes verstanden wird und einem sehr privaten Innenhof, der allein den Bewohnern des Wohnquartieres und des Hotels vorbehalten ist. In den massiven Einfassungen innerhalb der Innenhöfe wurden Wandeinbauleuchten integriert und ganz bewusst auf Lösungen mit Mast- oder Pollerleuchten verzichtet. Das niedrige Beleuchtungsniveau der Wandeinbauleuchten unterstützt den Gedanken einer privaten Gartenanlage und wird durch die Akzentuierung ausgewählter Gehölze und Bäume ergänzt. Der ovale Brunnen als zentrales Element des Innenhofes Wohnen, wird durch eine feine LED Linie umzeichnet und bietet mit seinem Spiel aus Wasser und Licht einen interessanten Blickfang für die Bewohner.

Den Hauseingängen wurden in den Foyerflächen im Erdgeschoss individuelle Lichtlösungen zugeordnet. Mal sind es schlichte Wandaufbauleuchten die als Pärchen angeordnet wurden, mal Kombinationen aus Lichtvouten und dekorativen Pendelleuchten oder lineare Wandleuchten aus satiniertem Kristallglas in unterschiedlichen Längen. Viele der eingesetzten Leuchten sind projektspezifische Anfertigungen, die sich in die Farb- und Materialwelt des Quartiers einfügen.

Das besondere Entrée zum Quartier ist das neobarocke ehemalige Land- und Amtsgericht. Es ist seit hundert Jahren ein vertrauter Anblick in der Düsseldorfer Altstadt und vermittelt mit seiner Freitreppe, den Säulen und der schlossartigen Gesamtanlage ein Gefühl von Erhabenheit und Würde. Die Fassadenbeleuchtung unterstützt die architektonischen Merkmale der Hauptfassade und bildet den Auftakt für das Entrée des Quartiers. In den Seitenflügeln dieses Gebäudes sind heute Büros sowie ein Tagungs- und Seminarzentrum untergebracht, ein neuer Anbau an der Rückseite bietet unter dem Management der Hyatt- Hotelgruppe 102 Serviced-Apartments.

Gastronomie und gesellschaftliches Leben

Das Düsseldorfer Wohnzimmer und Hyatt House
An zentraler Position, im Entrée des Gerichtsgebäudes, befindet sich das „Wohnzimmer“ Düsseldorfs mit einem Loungebereich und einer Bar. Als Treffpunkt für alle Bürger angelegt, dienst es zugleich als Frühstückscafé für die Hotelgäste des Hyatt House. Die Räumlichkeiten wurden nach alten Bildzeugnissen intensiv mit der Denkmalbehörde abgestimmt und in alten Techniken restauriert. Die Lichtplanung nimmt die Zitate auf und integriert die historischen und aufbereiteten Leuchten in das Konzept. Eine besondere Wirkung hat die neue Indirektbeleuchtung der Rabitzdecke nach ihrer aufwendigen Restaurierung erhalten. Die Decke bekommt über das Licht noch mehr Volumen und optische Höhe.

MASH und Café du Sommelier
Links und rechts vom Haupteingang eröffnete das „Modern American Steak House“, kurz MASH genannt, und das eigens für Düsseldorf konzipierte „Café du Sommelier“ – eine Weinbar. Beide gehören zu dem Unternehmen Copenhagen Concepts, das MASH Restaurants außer in seiner Heimat bereits in London und Hamburg betreibt. Die Lichtplanung umfasste hier die Grundbeleuchtung, während der dekorative Teil mit dem Ausbau kam.

20°RestoBar
An der rechten Flanke des Gerichtsgebäudes lädt ein spanisches Sterne-Restaurant mit Bar ein. Sein Name 20° verweist auf das milde Klima im Mittelmeerraum und entsprechend entspannt soll die Atmosphäre sein. Das Restaurant verfügt nicht nur über klassische Innen- und Außenplätze, sondern zusätzlich über steinerne Stufen am Mutter-Ey-Platz. Hier können sich die Gäste nach Art einer mediterranen Plaza zwanglos aufhalten. Die Außenbereiche als auch die Grundbeleuchtung der Mietflächen viel in die Lichtplanung.

Mutter Ey Café & Galerie / Mutter-Ey-Platz
Gegenüber der RestoBar 20°, in einem modernen Bürogebäude, entstand das „Mutter Ey Café & Galerie“. Das Café ist zum neu geschaffenen Mutter-Ey-Platz und zur K20 Kunstsammlung NRW am Grabbeplatz orientiert und einer legendären Figur des Düsseldorfer Kunstlebens gewidmet. Johanna Ey hatte nach dem Ersten Weltkrieg zunächst ein Bäckereicafé in der Ratinger Straße 45 betrieben. Dort gewährte sie jungen Künstlern Kredit und ließ sich in Bildern bezahlen. Später eröffnete sie eine Galerie, die mit dem Namen zahlreicher Künstler verbunden ist, darunter Otto Dix, Max Ernst und Otto Pankok. Die Galerie wurde durch die Nationalsozialisten geschlossen. Der erste Stock des neuen Bürogebäudes knüpft mit Galerieräumen an das Lebenswerk der Mutter Ey an. Hier können, kuratiert von HA Schult, Studierende der Kunstakademie in wechselnden Ausstellungen ihre Werke zeigen. Die Räume eröffnen den jungen Künstlern eine Öffentlichkeit an privilegierter Position, unmittelbar neben Kunstsammlung NRW, K20 und Kunstverein. Innenraum- und Außenbeleuchtung komplett durch agLicht.

Gastronomie Ratinger Straße AQ7
Hinter der historischen Fassade des ehemaligen Coelesterinnenkloster auf der Ratinger Straße, entsteht nun die letzte Gastronomiefläche unter der zukünftigen Leitung der Frankonia. Die Lichtplanung war hier sowohl für das Restaurant, als auch für die Bistrofläche sowie die zukünftigen Clubflächen im Untergeschoss verantwortlich. So wird das dunkle Farb- und Materialkonzept durch Gruppierungen von unterschiedlichen Leuchtendimensionen geprägt.

Für das gesamte agLicht Team war die Planung des Andreas Quartier und die Betreuung der Baustelle über die Jahre eine intensive und anspruchsvolle Zeit. Die eigene Zufriedenheit und das Lob des Bauherrn macht uns stolz auf dieses Projekt.