Nominierung 2021

Munot | Schaffhausen

Atelier Dreher
Winterthurerstrasse 703
8247 Flurlingen
Schweiz
hello@atelierdreher.ch
www.atelierdreher.ch

Lichtplanung:
Angelika Dreher
Miro Ammann

Weitere Projektbeteiligte:
Bauherr: Stadt Schaffhausen

Architekt/Innenarchitekt:

Elektroplanung:
SH Power, Schaffhausen

Fotorechte:
Bild oben und unten links: © Gino Gallucci
Bild unten rechts: © Bruno Sternegg

 

PROJEKTBESCHREIBUNG

Der Munot ist das Wahrzeichen der nordschweizerischen Kantonshauptstadt Schaffhausen. Das Gebäude wurde von 1564-1589 als Zirkularfestung im Stil von Albrecht Dürers Rondellbefestigung im Frondienst erstellt. Keine andere Schweizer Stadt hat im 16. Jht. ein Bauwerk von vergleichbarer Monumentalität zustande gebracht.

Anlass für die Erneuerung der Fassadenbeleuchtung waren nebst den gestalterischen Anforderungen die eingesetzten, veralteten Quecksilberdampflampen. Die seit April 2015 europaweit verbotenen HQL-Leuchtmittel mit dem grünlichen Spektrum tauchten den am Fuß des Munots liegenden großen Rebberg in gleißendes Licht, zudem konzentrierte sich die bisherige Fassadenbeleuchtung lediglich auf sie südliche, der Altstadt zugewandte Fassadenseite. Der Auftrag für die Planung der neuen Beleuchtung erfolgte 2017 durch das Hochbauamt der Stadt Schaffhausen, mit dem Ziel einer exzellenten, zeitgemäßen und an ökologischen Kriterien orientierten Lichtlösung.

Die neue Fassadenbeleuchtung entspricht dem Charakter der Festung und unterstreicht diesen mit einer flächigen Aufhellung des gesamten Gebäudekörpers und der gezielten Betonung einzelner Architekturelemente, wie den seitlichen Wehrmauern, dem Rundturm oder den rückseitigen Rundtürmen, den sogenannten Caponnièren. Mit der neuen Fassadenbeleuchtung wird die Festung erstmals von allen Seiten beleuchtet, was das ikonische, runde Gebäude auch in der Nacht als bauliche Einheit erscheinen und von allen Stadtquartieren erkennen lässt. Die Rückseite des Munots wird dabei bedeutend zurückhaltender als die Südseite beleuchtet. Nur die obersten Kranzelemente der Rundmauer werden mittels Lichtverläufen dezent illuminiert, wobei die sogenannten Pfefferbüchsen eine leichte Akzentuierung erfahren. Der Sockelbereich und damit auch der Hirschgraben bleiben im Dunkeln. Mittels exzellenter Lichttechnik werden Lichtemissionen und -immissionen vermieden.

Nebst den gestalterischen Kriterien galt es zu beachten, dass der Munot nicht zuletzt ein Lebensort diverser Tierarten ist. Hierfür wurden die verschiedenen Interessensvertreter und Verbände zum Schutz von Vögeln, Fledermäusen, Insekten und den am Fuß der Festung lebenden Hirschkolonie und anderen Tieren in die Planung miteinbezogen. Aus diesem Grund wurde ein sehr warmes, “goldweißes” Licht mit ca. 2500K eingesetzt.

Die Fassadenbeleuchtung setzt sich aus einer Kombination von konventioneller, präziser LED-Technik und einem Projektionsverfahren zusammen. Die Fassadenbeleuchtung mittels Projektion ist eine relativ junge Technologie, die alle zeitgemäßen Anforderungen an eine erstklassige Beleuchtung erfüllt. Mit der Projektionstechnik lässt sich eine Fassadenbeleuchtung realisieren, bei der alle gewünschten Bereiche aufgehellt werden und Lichtemissionen vermieden werden. Von den Projektoren wird das Licht mittels Präzisionsfilter gezielt gelenkt. Dunkle Bereiche auf dem Filter verhindern das Abstrahlen des Lichts in unerwünschte Bereiche, wie z. B. in die Fenster oder in den Nachthimmel. Gebäudeteile, die mit konventioneller Beleuchtung nur schwer aufzuhellen sind, wie z. B. das Dach oder exponierte Gebäudeteile wie die Pfefferbüchsen auf der Nordseite können damit gezielt hervorgehoben werden. Damit die Fassade nicht „flach“ wirkt, werden einzelne Elemente mit LED-Scheinwerfern zusätzlich akzentuiert, ohne am Gebäude vorbei zu strahlen. Alle Projektoren sind mit bedampften Konversionsfiltern ausgerüstet, um dem warmweißen Licht einen goldenen Schimmer zu verleihen, welches den hellen Kalkstein der Festung wärmer und weicher erscheinen lässt. Die Kombination von konventioneller LED-Technik und Projektionsverfahren vereint die Vorteile beider Verfahren: Brillanz durch gezielt gerichtete LED-Leuchten, dezente Gesamterscheinung durch Projektion.

Heute dient der Munot als städtischer Veranstaltungsort und touristischer Anziehungspunkt. In den Sommermonaten finden auf der Zinne diverse Anlässe statt, von Bällen über Konzerte, Kinderfeste, Openair-Kinos bis zu Opern. Zu festlichen Anlässen wie beispielsweise den Munotbällen oder Silvester werden zusätzlich die elegant geschwungenen Dächer der drei Caponnièren (Schiesstürme) auf der Nordseite der Festung, wo sich heute auch der Haupteingang befindet, beleuchtet.

Einen besonderen Fokus bei der Erneuerung der Munotbeleuchtung erfährt das im Volksmund genannte sagenumwobene „Munotglöggli“: Jeden Abend um Punkt neun Uhr wird von der Munotwächterin das bekannte Munotglöcklein zuoberst auf dem Turm geläutet – und dies seit 1589 von Hand. Während im Mittelalter das Läuten der Glocke die Schließung der Stadttore und der Wirtshäuser ankündigte, hat es heute eher einen nostalgischen Charakter. Während den knapp fünf Minuten, in denen die Glocke erklingt, werden kleine Lichtquellen zugeschaltet, welche die Glocke präzise illuminieren. Von den verschiedenen Stadtquartieren ist das Munotglöcklein damit nicht nur hör- sondern auch sichtbar.