Nominierung 2021

Plenarsaal im Schloss Schwerin

Licht Kunst Licht AG
Jagdweg 16
53115 Bonn
berlin@lichtkunstlicht.com
www.lichtkunstlicht.com/de/

Lichtplanung:
Edwin Smida
Malte Simon

Weitere Projektbeteiligte:
Bauherr: Landtag Mecklenburg-Vorpommern

Architekt/Innenarchitekt:
Dannheimer & Joos Architekten

Elektroplanung:
Ingenieurbüro Schubert

Fotorechte:
© Markus Ebener

PROJEKTBESCHREIBUNG

In einem Zeitraum von über fünf Jahren ist der Plenarsaal im Schloss Schwerin im Zuge einer Generalsanierung des Schlossgarten- und Burgseeflügels neugestaltet worden. Der ehemalige Festsaal wurde mit angrenzenden Konferenz-, Lobby, Besucher- und Pressebereichen zeitgenössisch neuinterpretiert und stellt die originalen Raumproportionen des 1913 ausgebrannten „Goldenen Saals“ wieder her.

Bei dem in 2010 ausgelobten Architekturwettbewerb bekamen Dannheimer & Joos Architekten den Zuschlag für den Bereich des 2. Obergeschosses rund um den ehemaligen Festsaal, um diesen zu einem Plenarsaal umzugestalten. Die grundsätzliche Idee war hierbei das Geschoss auf den Rohbau zurückzuführen und damit das Raumvolumen des ehemaligen „Goldenen Saals“ wiederherzustellen. Zudem wurde die neue Sitzanordnung des Plenums in drei konzentrischen Kreisen sowie zwei Besucher- und Pressebalkone an den Schmalseiten mit 96 Sitzen ermöglicht.

Die Neugestaltung des Plenarsaals ist als eine Metapher des „Goldenen Saals“ zu sehen. Die goldfarbene Beschichtung auf dem unbekleideten Rohbau erinnert bewusst an Spuren aus der Vergangenheit und schimmert durch eine davorliegende, reversibel eingestellte Schicht aus vertikalen, weißen Lamellen hindurch. Es entsteht eine konzeptuelle Unterteilung des Saals in zwei Schichten.

Um einen gleichzeitig funktional formalen sowie eleganten Raumeindruck mit einer einladenden Anmutung zu erzeugen, werden Decke sowie Wände im Plenarsaal gleichermaßen mit einem System aus drei Komponenten beleuchtet. Zwischen den Lamellen sind sowohl indirekt als auch direkt strahlende LED-Leuchten in einem gleichmäßigen Raster angeordnet und in die Decke integriert, um eine homogene Beleuchtung des Raumes zu ermöglichen. Weiterhin unterstützen an den Seitenwänden positionierte Leuchten die Raumwirkung, indem sie durch die Hinterleuchtung der Lamellen diese plastisch und klar wirken lassen und den lebhaften, goldenen Hintergrund hervorheben. Durch verschiedene Schaltungsszenarien kann die Beleuchtung dabei individuell an die jeweilige Raumnutzung angepasst werden. Der Plenarsaal wird durch dieses enorme Maß an Flexibilität zu einem Chamäleon in seiner Licht- und Architektursprache. Sind die Lamellen angestrahlt entsteht eine prächtige und ehrwürdige Atmosphäre, ausgelöst durch das fokussierte Hervorstechen der goldenen Wand. Sind die Lamellen jedoch nicht beleuchtet, tritt das glänzende Gold in den Hintergrund und der Raum erhält eine fast gegenteilige, formale Geschlossenheit.

Dieses Sinnbild setzt sich auch auf den Besuchertribünen sowie in den Pressebereichen fort. Diese sind als Balkone in den Plenarsaal eingegliedert und befinden sich über dem Plenum. Sie werden mit LED-Leuchten, die in einem Raster in einer Abhangdecke integriert sind, beleuchtet. Auch hier besteht die Möglichkeit über unterschiedliche Licht- und Schaltszenen die Integration oder Exklusion dieser Bereiche widerzuspiegeln.

Insgesamt wurde durch die individuelle Lichtplanung sowohl eine funktionale wie auch symbolische Dynamik geschaffen. Der Plenarsaal spiegelt mit seinem architekturintegrierten Lichtkonzept in nahezu poetischer Symbolik die politische Entwicklung von einem feudalen, über einen totalitären hin zu einem demokratischen Staat wider und entspricht damit in Gänze einem modernen Regierungssitz.