Nominierung 2021

Schloss Neuschwanstein

Ingenieure Bamberger GmbH & Co.KG
Schwemmfeld 18
Pfünz bei Eichstätt
info@ibamberger.de

Lichtplanung:
Walter Bamberger
Monika Kadlubek
Andreas Fürsich 

Weitere Projektbeteiligte:
Bauherr: Gemeinde Schwangau

Architekt/Innenarchitekt:

Elektroplanung:
Ingenieure Bamberger

Fotorechte:
Urheber Bild oben: Gerhard Bumann Photographie
Bilder unten: © BEGA

PROJEKTBESCHREIBUNG

1869 legt König Ludwig II. den Grundstein für das heute auf der ganzen Welt bekannte Schloss Neuschwanstein, das zum Sinnbild eines Märchenschlosses geworden ist. Er verwirklichte mit dem Bau des Schlosses, seine ganz genauen Vorstellungen einer poetischen Welt, die er wesentlich aus der Sagenwelt der Werke Richard Wagners schöpfte.
Es entstand ein einzigartiges Bauwerk, das wie kein anderes, mit seinem Bauherrn, dessen Persönlichkeit und dessen Vision in Verbindung steht.
Das Schloss weckt Emotionen, es versinnbildlicht den Traum, den ein romantisches Schloss verkörpert und den König Ludwig II. hier realisierte. Seine Vision wird international und überkulturell verstanden, das Schloss ist das meistbesuchte Schloss Europas. Das Lichtkonzept führt den Charakter des Schlosses in die Nacht hinein. Wir verfolgen das Ziel mit Licht, das Wesen des Schlosses unverfälscht in der Nacht wiederzugeben.

Architektonisch verschmelzen verschiedene Baustile zu einem Konglomerat zusammen. Es finden sich Ansätze des deutschen Mittelalters, des maurischen Spaniens, der osmanischen Kultur, des Orients. Dem entsprechend gibt das Lichtkonzept, in diesem Sinne, das Schloss als Gesamtkomposition wieder. Die verschiedenen Bauteile sind zu einer Einheit verwoben, für sich jedoch individuell herausstechend. Wir arbeiteten mit Licht den Charakter der einzelnen Bauteile zu erlebbaren Baukörpern heraus und setzen sie zu einem Gesamtkunstwerk zusammen.

Beleuchtet werden die Fassadenseiten des Schlosses, die vom Tal und weiten Sichtachsen aus zu sehen sind. Eine besondere Herausforderung galt es daher, das Schloss in seiner Ausstrahlung über weitere Distanzen aus den Ortschaften wie Schwangau oder Füssen gut erkennen zu lassen.

Gerade die Feingliedrigkeit, die sich mit der Fassadengestaltung durch alle Bauteile hindurchzieht, soll über die großen Entfernungen sichtbar bleiben. Insofern haben wir versucht das mit übertriebener Licht- und Schattenstruktur förmlich zuckerbäckerhaft zu erreichen.

Die Beleuchtung erfolgt mittels 47 Strahlern in LED Technik an 12 Maststandorten. Aus nahen und fernen Anstrahlwinkeln ließ sich die Lichtführung feingliedrig realisieren, die architektonischen Strukturen und wesentliche Details bleiben wahrnehmbar.

Die Lichtfarbe ist 4.000 K und CRI> 90 der weißen Gebäudefassung entsprechend ausgewählt. Das LED Spektrum ist mit möglichst geringem Blauanteil ausgewählt damit es für die nachtaktiven Tiere weitestgehend Nacht bleibt. Die Lichtverteilungen sind differenziert, sodass Lichtimmision minimiert ist. Alle Leuchten sind über DALI dimm- und steuerbar,

Es gibt vier Szenen, die sich automatisch im Jahresverlauf einstellen:

  • Grundszene
  • Trauerszene
    Zum Todestag von König Ludwig II. am 13. Juni trägt das Schloss Trauer. Die Beleuchtung ist differenziert weit heruntergefahren. Der Hauptturm bleibt als einziges Bauteil noch deutlich erkennbar gleich einer Kerze in der Nacht.
  • Geburtstagsszene am 25. August
  • Das Schloss legt sich abends schlafen:
    Die Beleuchtung begibt sich jeden Abend ab 22:55 Uhr in eine fast 5-minütige Ruhesequenz, in der die Beleuchtung langsam heruntergefahren wird. In dieser Sequenz verdunkeln sich in abgestimmter Folge, einzelne Bauteile. Zuerst wird der Mittelbau zurückgenommen. Dadurch werden die zwei unterschiedlichen Türme, der große Turm mit dem Palas und der Viereckturm herausgestellt, es entsteht der Eindruck zweier verschiedener Schlösser. Im weiteren Sequenzverlauf verschiebt sich der Eindruck so weiter, bis das Schloss und der letzte Turm in der Dunkelheit verschwindet und sich zur Ruhe begeben hat.