Nominierung 2021

St. Fidelis Stuttgart

LUNALICHT
Weltzienstr. 6a
76135 Karlsruhe
office@lunalicht.de

Lichtplanung:
Matthias Friedrich
Stefan Lotze

Weitere Projektbeteiligte:
Bauherr: Kath. Stadtdekanat Stuttgart

Architekt/Innenarchitekt:
schleicher.ragaller architekten, Stuttgart

Elektroplanung:
EP Tausk Planungsbüro für Elektrotechnik, Gerlingen

 Fotorechte:
© Zooey Braun Fotografie

PROJEKTBESCHREIBUNG

Der ehemals schwere, behäbige Kirchenraum wirkt im neuen Licht heiter und leicht.

Die Hauptachse erhält ein stimmungsvolles Herzstück und die akzentuierten Prinzipalien geben dem Ort seine atmosphärische Bestimmung. Beim Eintreten in das im engen städtischen Umraum eingebettete Gebäude staunt der Besucher über die unerwartete Größe des Innenraumes. Ein hohes Tonnengewölbe, von prägnanten Bindern getragen, spannt ein weites, lichtdurchflutetes Mittelschiff auf.

Die Decke ist hell und die Besucher rätseln, wo das Licht herkommt, denn die Quelle können sie nicht entdecken – wir haben sie sorgsam versteckt. Der Innenraum ist auf das Wesentliche reduziert und lebt von der Kraft der ausgewählten Materialien, dem Fußbodenbelag aus römischem Travertin, den schlichten Stühlen aus Eschenholz. Sie werden von einem warmen, gebündelten Licht zur Wirkung gebracht.

Die Leuchten sind als Richtstrahler bündig in die seitlichen Stege der Deckenkonstruktion eingelassen. Jeder einzelne Strahler leuchtet dabei einen definierten Bereich aus. Es entsteht ein Lichtteppich über die gesamte Fläche, der in der Lichtintensität gezielt beeinflusst werden kann. So können auch die Prinzipalien in der Mittelachse wirkungsvoll hervorgehoben werden, denn der Altar steht nach dem Umbau zentral im Hauptraum.

Eine weitere Besonderheit von St. Fidelis ist die intensive Nutzung für anspruchsvolle Konzerte. Die lose Bestuhlung und der Lichtteppich erlauben die Nutzung der gesamten Raumfläche als Bühne. Für das einzelne Soloinstrument bis zum großen Orchester lassen sich an jeder Stelle klar begrenzte, intensive Lichträume schaffen.

Seitlich wird der Raum von niedrigen Seitenschiffen mit Arkadenbögen gefasst.
An den weiß verputzten Wänden sorgt dort ein Bilderzyklus für interessante Farbakzente. Die Wandflächen sind gleichmäßig mit Licht geflutet und weiten das Mittelschiff hinter dem Rhythmus der Arkadenbögen auf. Die Lichtfarbe der Wandfluter ist in der Weißtönung regelbar. Sie bringt mit einem kühleren Weiß eine wohltuende Frische in den Raum.

Die dritte Besonderheit von St. Fidelis findet sich im Chorraum. Der Altar, in die Mitte der Gemeinde gerückt, macht Platz für einen eingestellten Raum, den Raum der Stille. Sechs Portaltüren machen den Blick frei in das einladende Innere. Das Licht der in die Holzträger und Deckenlamellen eingearbeiteten Lichtsysteme machen den in Eschenholz gefassten Raum zum feierlich verlockenden Herzstück der Kirche.

St. Fidelis zeigt in besonderem Masse unsere Auffassung von Licht im Raum. Licht ist hier ein Teil des Ganzen, ist ein integraler Bestandteil der Architektur. Wie selbstverständlich, aber dennoch wesentlich. Ja, es fällt nicht auf, das Licht. Aber es ist das entscheidende Moment für die berührende Atmosphäre dieses Ortes.