Nominierung 2022

Arnulfsteg

DAY & LIGHT LICHTPLANUNG
Welserstraße 25
81373 München
info@dayandlight.de
www.dayandlight.de

Lichtplanung:
Frank Vetter
Regine Oel

Weitere Projektbeteiligte:
Bauherr: Landeshauptstadt München

Architekt/Innenarchitekt:
Architekt: Lang Hugger Rampp GmbH

Bauingenieure:
SSF Ingenieure AG

Elektroplanung:
Rücker + Schindele Beratende Ingenieure GmbH

Fotorechte:
Fotos: Christoph Mittermüller

PROJEKTBESCHREIBUNG

Seit Anfang des Jahres 2021 sind Münchner Fuß- und Radfahrer nicht mehr auf die dicht befahrenen Brücken Donnersberger- und Hackerbrücke angewiesen und können nun stressfrei den gigantischen Gleiskörper mit 37 Bahngleisen vor den Toren des Hauptbahnhofes überqueren. Um dies zu ermöglichen meisterten Architekten, Bauingenieure und Fachplaner meisterlich die schwierigen Aufgabenstellungen:

Der Brückenkörper sollte abschnittsweise über den laufenden Betrieb der Gleisanlage geschoben werden, ohne diesen zu beeinträchtigen; und dies bei sehr wenig erlaubten Aufstellorten für Stützen. Gemeistert wurde die Aufgabe durch ein einfaches und zugleich raffiniertes Tragsystem als Vierendeel-Kasten. Das System ist kombiniert mit einem Fachwerk, dessen Ober- und Untergurt über einen Knickpunkt in einer einzigen fließenden Bewegung über die gesamte Brückenlänge ihre Neigung verändern, von Anfang zur Mitte langsam nach Außen und zum Ende wieder nach innen klappend, bei gleichbleibender Gesamthöhe der Träger.

Die Brücke vereint damit durch gekonnte Präzision das statisch erforderliche Tragkonstrukt mit einem Schwung in einer eleganten Geste, die sich – ganz im Sinne Münchens Stadtgestaltung – dezent im Stadtgefüge integriert.

Genau diese schlichte Eleganz sollte die Beleuchtung aufgreifen und Form und Raum spürbar machen. Applizierte Lichtgrafiken, sichtbare Leuchtenkörper oder Blendung wurden vermieden, unter der Maßgabe einer gleichmäßigen Ausleuchtung des gesamten Verkehrsraum gemäß den normativen Anforderungen.

Um das zu erreichen wurde entlang der Kanten der Obergurte jeweils ein nahezu unterbrechungsfreies Lichtband installiert, welches die inneren Brückenwangen und gleichzeitig die Verkehrsfläche ausleuchtet. Die Ausrichtung des Lichtbandes bleibt über die gesamte Länge gleich, während die Fläche des Obergurtes zur Brückenmitte sanft nach Außen schwingt und der Untergurt allmählich mehr Lichtauftrittsfläche bietet. Unterstützt durch die Beleuchtung wird die fließende Bewegung somit subtil wahrnehmbar.

Der Weg über Rampen und Träger ist lang. Deshalb war es wichtig, einen interessanten und angstfreien Raum zu schaffen. Durch die beleuchteten Raumbegrenzungsflächen entsteht ein abgeschlossener und geschützter Raum, während sich die Fenster für den Ausblick nach außen langsam zur Brückenmitte öffnen. Die dadurch entstehenden inoffiziellen Sitzgelegenheiten entsteht eine Aufenthaltsqualität, die den Aussichtsbänkchen auf den Bögen der Hackerbrücke während der Sonnenuntergänge den Rang abläuft.

Signale, Hochspannungsleitungen und ICE-Waschanlage erforderten eine sehr hohe Anschlusshöhe des Brückenträgers. Im Süden als Schleife und im Norden als Spirale, überwinden imposante Rampenbauwerke zusammen mit Aufzügen für die barrierefreie Anbindung diese Höhe und schaffen durch ihre individuellen Formen einen abwechslungsreichen Weg. Zwischen den Bäumen sind hohe Masten mit jeweils mehreren Strahlern einsortiert, um die Verkehrsflächen den Anforderungen entsprechend zwar gleichmäßig auszuleuchten, durch die punktuellen Lichtquellen die Betonstrukturen jedoch skulptural buchstäblich „ins Rampenlicht“ stellen.

Der neue entstandene städtische Raum zwischen dem Stützenwald der Rampen erhielt eine gezielt kontrastreiche und rhythmische Ausleuchtung mittels engstrahlender Downlights in den Betonflächen der Rampenunterseiten, um einen schönen Raum anstatt Unorten zu schaffen.